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Ortsheimatpflege Groß Ellershausen – ein virtueller Gang durch die ortskundliche Sammlung

Die Ortsheimatpflege hat die Aufgabe, die Erinnerung an die Dorfgeschichte über Generationen hinweg intakt und lebendig zu halten. In Groß Ellershausen haben wir eine kleine Sammlung, die hauptsächlich aus Dokumenten zur Ortsgeschichte besteht, d.h. Urkunden, Karten, Briefen, Zeitungsausschnitten, Fotos und einigen Tonträgern. Diese Sammlung wird ständig mit aktuellen Dokumenten zur Dorfgeschichte ergänzt.

Wir haben hier einige besonders interessante und aufschlussreiche Stücke aus der Sammlung als Faksimiles zusammengestellt, jeweils mit einem sehr kurzen erläuternden Text. Bei weiterführendem Interesse machen wir die Stücke und die gesamte Sammlung selbstverständlich gerne zugänglich

(Kontakt: Ortsheimatpfleger Dr. Michael Bredemeier, Tel. 0551-94997, email mbredem_at_gwdg.de).

 Gleichzeitig bitten wir ganz herzlich alle, die irgendwelches historisches Material zu Groß Ellershausen besitzen, uns dies zur Erfassung und elektronischen Archivierung zu überlassen, um die Sammlung mit weiteren interessanten Stücken anzureichern und ein wirklich "lebendes Gedächtnis" des Dorfes zu bewahren!

Unser Dorf hat bereits 1989 die Feier seines tausendjährigen Bestehens gefeiert. Der Zeitpunkt wird festgemacht an der ersten gesicherten urkundlichen Erwähnung in den "Grundbüchern" des Klosters Corvey an der Weser, den "Traditiones Corbeyenses".

Im Brief des Instituts für Historische Landesforschung weist Prof. Schubert darauf hin, dass der Zeitpunkt der wirklichen Dorfentstehung bzw. –gründung meistens gar nicht bekannt ist, sondern dass man sich stets auf die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stützen muss. Es ist also durchaus denkbar, dass Groß Ellershausen sogar noch einige Jahrhunderte länger als Siedlung bestanden hat.  

In der langen Geschichte unseres Dorfes wechselten naturgemäß auch die Herrschafts- und Besitzverhältnisse von Groß Ellershausen häufiger, durch Wechsel der machtpolitischen Konstellationen aber auch durch privat- und feudalrechtliche Übertragungen des Besitzes. Unser Dokument aus dem Hochmittelalter von 1144 bezeugt die Schenkung in den Besitz des Klosters Bursfelde. Zu der Urkunde, die wie viele mittelalterliche Dokumente in lateinisch abgefasst ist, haben wir eine Transkription, aus der der heutige "Klartext" hervorgeht. Die Schenkung an das Kloster ist motiviert durch den Wunsch nach dem Seelenheil des Schenkenden, das war in der damaligen Zeit eine häufige Motivation für solche Besitzübertragungen und mehrte den Reichtum der mittelalterlichen Klöster.

 

 

Manche geschichtliche Informationen können mehr oder weniger per Zufall gewonnen werden, weil sie am Rande von Dokumenten auftauchen, die eigentlich etwas anderes zum Gegenstand haben. Im nachfolgenden Dokument ist eine "große Wasser Flut" für den 29. April 1800 belegt, die offenbar im Dorf große Schäden angerichtet hatte. Eigentlicher Gegenstand des Dokuments ist die Rückzahlung von 60 Thalern an die Rosdorfer Kirche, die diese Summe "zum Schulhaus geborgt" hatte.

  

Die Erwähnung einer großen Flut mit Schäden im Dorf ist ein interessanter Beleg dafür, dass solche Ereignisse wie die Gewitterflut in Groß Ellershausen in jüngster Zeit (am 23. August 2007), die mit ihren spektakulären Schäden deutsche und internationale Medienresonanz fand, kein Einzelfall ist, sondern eben ein "Jahrhundertereignis", das immer wieder auftreten kann (aber Gott sei Dank ein seltenes Ausnahmeereignis ist).

Die folgenden Bilder und Zeitungstitel bezeugen die Heftigkeit der Gewitterflut in Groß Ellershausen 2007. An dem Nachmittag fielen etwa 45 mm Niederschlag. Das ist etwa (knapp) eine langjährig durchschnittliche Monatssumme. Das Problem war, dass sie im Gewitter in etwa 45 Minuten Dauer fiel. Die extreme Wassermenge pro Zeiteinheit überlastete vielfach die Ableitungssysteme und führte zur Flutung von Straßen und Kellern, und im Extremfall zum Totalverlust eines Hauses in einer engen hydrologischen Rinne (Sporthaus im Elstal des SV Groß Ellershausen).

 

In früheren Zeiten spielten Land- und Forstwirtschaft eine weit größere Rolle für den Lebensunterhalt und das gesamte Dorfleben als in der heutigen Zeit. Subsistenzwirtschaft, d.h. Anbau und Viehhaltung für die eigene Ernährung waren der Normalfall des Lebensunterhalts, neben Bauern und Knechten mit ihren Familien gab es nur wenige weitere Dorfbewohner, die als Handwerker ihren Lebensunterhalt verdienten, sie alle aber versorgten sich mehr oder weniger selbst von ihrem Land, und versuchten Überschüsse auf den Märkten der Stadt abzusetzen, eine Wirtschaftsweise die heute noch in den Entwicklungsländern anzutreffen ist.

Zentrale Energiequelle des "hölzernen Zeitalters" vor Beginn der Industrialisierung und Verwendung fossiler Brennstoffe war der Wald, er hatte damit für das Leben der Menschen eine viel handgreiflichere Bedeutung als heute. Die folgende schöne Urkunde mit rotem Lacksiegel ist eine Quittung vom 31. Oktober 1852 über 400 Thaler für "Holzanteile", die der Grundherr Götz von Olenhusen bescheinigt.

 

 

In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begannen langsam die mit dem Industriezeitalter heraufkommenden technischen Neuerungen auch im Raum Göttingen und in Groß Ellershausen Einzug zu halten. Ein wichtiger Meilenstein mit besonderer Verbindung zu unserem Dorf war der Bau der "Hannöverschen Südbahn" von Göttingen nach Hannoversch-Münden im südlichsten Zipfel des Königreichs Hannover (à www.hannoeversche-suedbahn.de ). Die gewollte Streckenführung ausschließlich auf Hannoverschem Hoheitsgebiet war ein typisches – wenn auch spätes – Ergebnis deutscher Kleinstaaterei. Sie hatte die aufwendige Trassenführung den westlichen Leinetalabhang hinauf in einer weiten Serpentinenschleife zur Folge, die um Groß Ellershausen herum führt und auf jeder Luftbild- und Satellitenbildkarte unserer Gegend deutlich zu erkennen ist. Die Strecke wurde 1856 eröffnet, und aus demselben Jahr stammt ein mehrseitiges Protokoll eines Ortstermins im Alrutzschen Wirtshaus mit anschließender Begehung in der Feldmark, am 7. August 1851.

 

Groß Ellershausen bemühte sich lange Zeit vergeblich darum, durch einen Haltepunkt im Dorf direkt von der Strecke zu profitieren, doch dieses Ansinnen wurde lange Zeit von den zuständigen Behörden und Verwaltungen abgelehnt, wie der folgende Brief aus Berlin aus dem Jahre 1909 belegt.

 

Wahrscheinlich waren es Fortschritte in der Eisenbahnbetriebstechnik, oder vielleicht auch nur die mit der Zeit geringer werdende Bedeutung der langsamen Strecke im gesamten Bahnverkehr, die ein Umsteuern bewirkten und schließlich zur Bewilligung und Anordnung eines Haltepunktes führten, dessen Einrichtung dann 1931 sogar angemahnt wurde.

 

Für etwa 50 Jahre konnte sich dann unser Dorf noch des eigenen "Bahnhofs" erfreuen, bevor die Strecke der alten Hannöverschen Südbahn am 31. Mai 1980 in unserem Bereich stillgelegt wurde.

Wenn man eine 1000jährige Sammlung geschichtlicher Dokumente durchstreift, wird einem bald klar dass "Freizeit" eine relativ junge Errungenschaft der Menschen ist. Zwar wurden immer schon Feste gefeiert, vor allem im Zusammenhang mit den traditionellen christlichen Festen des Kirchenjahres, aber auch zum Beispiel Hochzeiten und Ehrengeburtstagen.

Organisierte und gestaltete Freizeit, zum Beispiel in Form von Vereinsaktivitäten, ist aber etwas Neues, das erst in der Moderne durch steigenden Wohlstand der Menschen und aufkommende Freizeit bei nachlassender Arbeitsbelastung und –zeit aufkam.

Zwei frühe photographische Zeugnisse aus dem Vereinswesen von Groß Ellershausen sollen unseren kleinen virtuellen Rundgang abschließen.


(Groß Ansicht bitte auf das Bild klicken)

Vor gut 100 Jahren entstand das Foto der Ehrendamen des Gesangvereins Germania, der zu diesem Zeitpunkt bereits sein 25jähriges Stiftungsfest beging. Schauen Sie das Bild ruhig einmal in einer stärkeren Vergrößerung an (die Qualität des Scans gibt das her). Es wird Ihnen auffallen, dass die Gesichter einiger der Damen verwischt erscheinen, eine Folge davon, dass die Betroffenen es nicht geschafft haben, ganz still zu halten, was bei den Belichtungszeiten der alten Photoplatten-Kameras um die Zeit nötig war. Weiter fallen die allgemein ernsten und angestrengten Gesichtszüge auf, wahrscheinlich wurde der Phototermin als eine ernste und heikle Sache empfunden, sicher auch als Konfrontation mit einer damals noch neuen und undurchschaubaren Technologie.

 Die Herren des Radvereins "Wanderlust" wirken da knapp 20 Jahre später schon wesentlich entspannter.


(Groß Ansicht bitte auf das Bild klicken)

Das Foto mit den gutgelaunten Gesichtern, mit strahlend weißen Kappen und Hemden, einheitlichen Schlipsen und Schärpen ("Freizeit-Uniformen") ist ein schönes frühes Zeugnis einer "Freizeitgesellschaft", die gewiss noch keine exzessive "Spaßgesellschaft" ist, aber die Moderne mit Ihren Errungenschaften für Jedermann beredt widerspiegelt. Alle Herren haben offenbar Geld für Ihre Fahrräder und Vereinskleidung, und sie haben die Zeit für gemeinsame Ausfahrten, von denen in unserer Sammlung sogar noch die Protokolle mit Zielen und Teilnehmern erhalten sind.

Dies soll den kleinen "virtuellen Rundgang" abschließen – wir nehmen gerne Ihre Anregungen entgegen, hier auch weiteres und anderes aus der Sammlung zu zeigen, und danken für Ihr Interesse!

 

Copyright © 2008 Groß Ellershausen, ein Ortsteil von Göttingen
Stand: 01.09.14